"Zum Geburtstag Viel Glück" sangen sie. Seit der Chef vor Jahren einmal vorschlug doch zu singen, musste bei jedem Geburtstag gesungen werden. Der Geburtstagende brachte schon immer Butterbrezeln oder Blechkuchen. Blechkuchen bedeutete ein Opfer von Zeit zu Gunsten der Gemeinschaft, Butterbrezeln waren ein Opfer von Geld. Alfred opferte bei seinem Geburtstag noch ein bisschen mehr Geld und brachte ausgefallenen Prosecco statt des sonst üblichen Sekts mit. Der Billigsekt vom Discounter ging bei ihm einfach nicht. Wenn er schon einen ausgeben musste, dann richtig. Es war üblich, dass der Geburtstagende keinen Orangensaft oder Sekt Orange trank. So trank Alfred zu seinem eigenen Geburtstag immer zwei Gläschen Prosecco am Vormittag. Zwar hatte er dann einen kleinen Rausch, aber zum Nachmittag wäre er für die Routinearbeiten wieder fit. So hatte er es die letzten Jahre immer gehalten, vormittags feiern, dann arbeiten, zu Hause den Anruf von Mutti hinter sich bringen und dann noch ein wenig lesen.
Freitag, 27. November 2015
Freitag, 20. November 2015
Alfred und Andrea
Alfred schaute sich den gedeckten Tisch an und fand, dass das doch ganz ordentlich aussieht. Drei Gänge hatte er vorbereitet. Passend zur Herkunft seines Gastes war es eine Minestrone, gefolgt von einer Lachslasagne. Zum Abschluss sollte es eine Panacotta geben. Mit einem Blick auf die Uhr ging er in die Küche. Dort öffnete er die Flasche Bardolino, bevor er das Gemüse schnitt. Er fragte sich, ob er der Zeitangabe trauen durfte, weil italienische Zeit nicht immer deutsche Zeit war. Die Lasagne brauchte noch etwa 15 Minuten bis zur passenden Bräunung, das Gemüse würde er nun blanchieren und dann wäre das auch vorbereitet. Er wäre flexibel! Zufrieden kontrollierte er das Gästezimmer, dann wartete er, Musik hörend im Wohnzimmer.
Freitag, 13. November 2015
Andrea
Als Andrea aufwachte, war sie alleine in der Wohnung. Ein Blick auf die Uhr bestätigte, dass sie verdammt viel Schlaf nachgeholt hatte. Verwundert schaute sie sich in dem kleinen Zimmer um. Sie sprang auf und ging in das Wohnzimmer. Dort entdeckte sie die Reste von Alfreds Frühstück. Laut atmete sie aus. Die Tür zum Balkon wollte einfach geöffnet werden. Obwohl es kühl am Morgen war, ging sie im Nachthemd hinaus und schaute sich den Innenhof an. Direkt unter ihnen war ein Spielplatz neben einem hohen Baum. Der Balkon bot gerade Platz für einen kleinen Tisch mit zwei gegenüberstehenden Stühlen. Sie maß den Tisch mit den Händen aus und versuchte den linken Stuhl an die Vorderseite zu stellen. Aber es gab hier keinen Platz und sie stellte ihn wieder zurück.
Freitag, 6. November 2015
Alfred
Auf dem Weg zur Bushaltestelle musterte Alfred den Fußweg. An der ersten Ecke war wieder ein Haufen von dem kleinen Pinscher der alten Hexe. Diese wohnte im Eckhaus und hatte bestimmt schon über 80 Jahre auf den Buckel. Ihren Hund konnte sie gerade einmal um den Block führen. Sie konnte sich nicht mehr bücken, deswegen blieben diese Häuflein immer liegen. Nach der Biegung fand sich ein großer Haufen. Das war bestimmt der Dicke mit den Dalmatinern. Der sollte sich eigentlich bücken können! Er wollte sich nicht die Laune verderben lassen und deswegen dachte er sich lieber, wie gut es doch war auf den Boden zu blicken. Danach dachte er an die Leute die meinen es würde Glück bringen in einen Haufen zu treten, aber er gehörte definitiv nicht zu diesen! Die würden bestimmt auch Lose kaufen oder Lottoscheine ausfüllen. Bei dem Gedanken lächelte er. Er konnte gar nicht hineintreten. Und manchmal fand er sogar Münzen, die achtlose Zeitgenossen verloren hatten.
Freitag, 30. Oktober 2015
Die Chance
Die Falten in seinem Gesicht glätteten sich, als er sie anlachte. Obwohl eher sie ihn anlachte, ja förmlich ansprang. Er nahm sie mit. Es sollte ein Fastentag werden. Einmal in der Woche wollte er nur eine Mahlzeit zu sich nehmen, in der dann alle Nährstoffe und Mineralien für den Tag enthalten sein sollen. An diesem Mittwoch entschied er sich für eine Ananas. In der Norma auf dem Weg zur Arbeit war eine geschälte und entkernte Ananas im Angebot. Deswegen war er dort. Und als er das Plastikgehäuse mit der gelben Frucht in der Hand hielt, da sah er sie schon von weitem. Aber er schenkte ihr zunächst keine Aufmerksamkeit. Erst als er vor ihnen stand, sah er, dass sie genau die richtige Farbe hatte. Er nahm sie vorsichtig aus dem kleinen Eimer an der Kasse und roch an ihr. Es war ein angenehmer Geruch, von einer bestimmt in einem Gewächshaus gezogenen Rose hätte er anderes erwartet. Sie sollte nur ein Euro kosten und das war sie ihm wert. Zufrieden verließ er das Geschäft. Sein Gang wäre beschwingt gewesen, wenn er das rechte Bein hätte richtig belasten können.
Freitag, 23. Oktober 2015
Der Keller
"Du musst mir helfen. Ich brauche für meinen Auftritt unbedingt neue Schuhe. Die, die ich da hab, die gehen zwar, aber. "
"Moni, immer auf den letzten Drücker"
"Bitte, Du bist meine beste Freundin, meine Stilberaterin. Und es ist so wichtig, dass ich genau die richtigen High Heels bekomme. Sie müssen doch genau zum Kostüm passen. Aber auch nicht zu aufdringlich sein. Weil ..."
"Du? mit richtig hohen Absätzen? Das musst Du üben, sonst ..."
"Das brauche ich gar nicht so richtig können. Ich gehe ja nur in das Meeting hinein und er soll schon merken, dass ich die Dinger nur wegen ihn angezogen habe. ..."
"Halt, halt. Das ist mir zu schnell, tief einatmen und dann in aller Ruhe. Morgen geht es doch um ein ganz langweiliges Kick-Off mit abendlichem Trinken. Jedenfalls war das der Stand letzte Woche. Ich komme in ganz normalen Jeans."
"Du bist auch noch in der Entwicklung. Ich bin im Produktmanagement!"
"Gib nicht so an. Es sind doch nur untere Ränge da"
"Der Juniorchef, von Lautenkirchen, kommt doch auch. Der soll immer auf der Suche nach Ablenkung sein. Und der steht auf hohe Absätze. Knackig, süss und am Abend. Wer weiß."
"Du spinnst, aber morgen Vormittag könnten wir schon ein oder zwei Stunden shoppen. Wir müssen aber vorzeitig da sein, weil zum aufwärmen und einstimmen, du weißt schon."
"Moni, immer auf den letzten Drücker"
"Bitte, Du bist meine beste Freundin, meine Stilberaterin. Und es ist so wichtig, dass ich genau die richtigen High Heels bekomme. Sie müssen doch genau zum Kostüm passen. Aber auch nicht zu aufdringlich sein. Weil ..."
"Du? mit richtig hohen Absätzen? Das musst Du üben, sonst ..."
"Das brauche ich gar nicht so richtig können. Ich gehe ja nur in das Meeting hinein und er soll schon merken, dass ich die Dinger nur wegen ihn angezogen habe. ..."
"Halt, halt. Das ist mir zu schnell, tief einatmen und dann in aller Ruhe. Morgen geht es doch um ein ganz langweiliges Kick-Off mit abendlichem Trinken. Jedenfalls war das der Stand letzte Woche. Ich komme in ganz normalen Jeans."
"Du bist auch noch in der Entwicklung. Ich bin im Produktmanagement!"
"Gib nicht so an. Es sind doch nur untere Ränge da"
"Der Juniorchef, von Lautenkirchen, kommt doch auch. Der soll immer auf der Suche nach Ablenkung sein. Und der steht auf hohe Absätze. Knackig, süss und am Abend. Wer weiß."
"Du spinnst, aber morgen Vormittag könnten wir schon ein oder zwei Stunden shoppen. Wir müssen aber vorzeitig da sein, weil zum aufwärmen und einstimmen, du weißt schon."
Freitag, 16. Oktober 2015
Der Stock
"Hallo Schatz, ich bin jetzt an der Station, wie komme ich nun zu Dir?" fragte sie in ihr Handy. Lauschend musterte die junge Frau mit den weißen Turnschuhen den Bahnsteig, ging dann zur Rolltreppe und fuhr hinunter. Ihr Handy war die ganze Zeit an ihrem Ohr. Sie hörte erfreuliches, jedenfalls lachte sie häufig oder sagte etwas wie "ja, genau" oder auch "ich freu mich auf Dich". Unten nahm sie zielstrebig den rechten Ausgang. Auf dem dunklen Platz vor der S-Bahnstation bekam sie große Augen nachdem sie sich in allen Richtungen umgeschaut hatte. In ihr Handy sprach sie leise: "Du, eh, da ist keine Apotheke, da ist nur eine große Strasse". Sie lauschte und sagte dann kopfschüttelnd: "Nee, nee, ich bin in Stadtgrenze ausgestiegen. Du wohnst doch an der Stadtgrenze, so hast Du doch.." Sie lauschte noch eine Weile, ging wieder in die Station, fand den gelben Aushang und dann: "Der nächste fährt in 30 Minuten". Eine Gruppe mehr oder weniger alkoholisierter Nachtschwärmer kam in die Station. "Kann ich nicht einfach zu Fuß gehen? Ist ja nur eine Station" schlug sie ihrem Handy vor. Mit "Schön, gut, also ich pass schon auf und Du kommst mir entgegen. Dann kann ja nicht passieren. Und wenn, ich lauf doch schnell. Hab Dich Lieb!" schloss sie das Telefonat ab. Sie verstaute das Handy in ihre kleine, schwarze Lederhandtasche und ging zum rechten Ausgang. Auf der großen Strasse war um diese Uhrzeit wenig los. So ging sie in der milden Sommernacht mit festem Schritt nach links.
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