Freitag, 31. Juli 2015

Zusammenarbeit

"Ich weiß gar nicht was ich davon halten soll. Immer diese Überstunden." klagte Martina
"Mein Moritz macht zwar keine, aber nach dem Abendessen klappt er seinen Rechner auf, und dann macht er das, was er am Tag nicht geschafft hat. So sind sie halt, die Alphatiere." Elke hatte für alles eine Erklärung.
"Das mit dem Alphatier, das muss ich ihm erzählen. Würde er gerne hören. Bestimmt." Martina schaute zum Fenster hinaus und schnaufte durch die Nase.
"Er läuft doch nur hinterher. Sein Referent fordert mehr Einsatz und schon bleibt er eben ein wenig länger. Aus seiner Gruppe machen das alle. Nur, nun. Es ist Urlaub. Alle sind weg. Sein Referent, die Kollegen wirklich alle sind weg. Aber er tigert da hin und will nicht früher kommen. Sagt er müsse nun in Ruhe Akten sortieren. Pläne für die Schubladen schon einmal machen. Dann hätte er etwas in der Hinterhand" Sie tippte Elke auf die Hand. "Oder sollte ich mir Sorgen machen?"
"Also man hört ja so einige Geschichten." wusste Elke anzumerken. "Gerade wenn der Mann Auslauf hat, kann er einfach mal etwas organisieren. Aber unsere verreisen doch nicht. Ab und an gehen sie auf eine Konferenz, sind dann doch auch immer Kollegen dabei und da passiert schon nichts. Wenn sie zu einer Nutte müssen, kann uns das doch egal sein, oder?"
Martina lachte gequält mit, stellte dann aber fest. "Nutte, wäre ihm viel zu teuer. Und eigentlich, so stoffelig, wie würde er eine Affäre anfangen?"


Karl wollte gar nichts mit ihr anfangen, als er die neue Kollegin neben ihm bemerkte. Freundlich und mit einem breiten Lächeln wollte er eine Konversation eröffnen: "Sieh an, ein bekanntes Gesicht. Wir nehmen wohl die gleiche U-Bahn zum Rathaus". Sie konterte mit einem "Sieht so aus". Sein Lächeln hielt sich ein Weilchen auf seinem Gesicht, bevor auch er gedankenverloren ins Leere schaute. Nach einer Weile kam das Lächeln wieder und er stellte sich förmlich vor: "Ich bin der Karl Hinterhalter, Gartenbauamt", "Martina Leyhuber, Katasteramt" war die Antwort ohne Lächeln. Wieder wurde ins Leere geschaut. Aber er ließ nicht locker "Sie haben gerade frisch angefangen, nicht wahr?"
"Seit drei Jahren bin ich im Amt"
"Warum sind Sie mir nicht vorher? oh. Ich meine, ich hätte sie erst neulich, in der Kantine, " er wusste zwar, dass er ein Kompliment machen wollte, aber so richtig heraus bekam er es nicht. Sie schaute ihn an und sagte nur ein "Ah ja", bevor sie wieder nach vorne schaute. Diesmal verschränkte Karl die Arme als er sich der Leere zu wandte. Ein oder zwei Minuten war sein Gesicht verkniffen, aber dann entspannte es sich wieder. Er legte die Hände erst in den Schoss, dann den rechten Unterarm auf die Fensterlehne und die linke Hand neben seinem linken Oberschenkel. Er merkte, dass die Außenseite seiner linken Hand die Außenseite ihres rechten Oberschenkels berührte. Weder zog sie ihren Oberschenkel zurück, noch wich seine Hand erschrocken zurück. Seine Augenbrauen zogen sich nach oben, als sein Blick auf seine Hand und ihre nackten Beine fiel. Das geblümte Minikleid gefiel ihm.

Wenig später bemerkte er merkwürdige Gedanken in seinem sonst so nüchternen Kopf. Er wollte lieber über die Arbeit sprechen. "In den Sommerferien werde ich alte Akten noch einmal in Ruhe durchgehen. Ich halte doch nicht alleine die Stellung für 42 Stunden in der Woche. Es gibt immer etwas zu lesen und zu prüfen."
Ein Lächeln zauberte sich in ihr Gesicht. "Bei mir ist das auch so. In den Ferien gibt es auch bei uns kaum etwas zu tun. Ich werde die Bebauungen der Gartengrundstücke in der alten Siedlung kontrollieren. Mit dem Internet und den Fotos von oben, vom Satelliten, soll sich das doch gut machen lassen. Das werde ich mal ausprobieren."
Wie gut das Lächeln ihrem Gesicht tut! Er erwiderte es und bewunderte ihre sich öffnenden Pupillen. Die kurze Pause beendete er mit einem langsamen "Ja, genau" nickend fügte er schnell an "Genau das ist auch meine Meinung. Schön jemanden zu treffen, der auch seine Arbeiten ernst nimmt. Vielleicht könnten wir ja im Team arbeiten. Mit Gärten kenne ich mich schließlich aus. Sozusagen von Amts wegen." Beide lachten an dieser Stelle. "Das wäre dann ganz modern, so Ressort übergreifend." Seine Hand wollte auf ihren Oberschenkel wandern, wurde aber zurückgehalten.
"Ja, das ist eine gute Idee! Von Gärten habe ich keine wirkliche Ahnung. Dann machen wir eine Aktennotiz und dokumentieren und belegen das. Macht bestimmt auch Eindruck bei der Personalabteilung" Sie lachten.
"Heute Nachmittag um 15 Uhr 30? Bis 18 Uhr hätten wir schon den ersten Teil besprochen" schlug er vor und zog seine Hand unverrichteter Dinge zurück.

Als es auf drei Uhr zu ging, stand er auf, holte sich einen Kaffee und stellte sich an das Fenster. Es gab nichts zu sehen. Die Aussicht war wie sonst auch, der Kaffee schmeckte nicht besonders gut. Die Akten interessierten ihn gar nicht mehr und das ruhige Sitzen funktionierte auch nicht wie sonst. Viertel nach drei hatte er den Schreibtisch aufgeräumt und einen zweiten Stuhl neben seinen gestellt. Fünf vor halb vier wollte er den Stuhl wieder zurückstellen, aber er schaute dann noch einmal aus dem Fenster. Mit dem rechten Fuß trommelte er auf den Boden. Er blieb am Fenster stehen, bis es, ein paar Minuten nach halb vier, klopfte. Eins, zwei, drei zählte er mit den Fingern, dann "bitte" und Frau Leyhuber kam herein. "Schön, dass es klappt" sagte sie und legte einen Aktenordner auf den Tisch. "Sie kennen sich mit den Plänen doch bestimmt aus. Hier, das ist das Grundstück. Es wäre nun zu kontrollieren, ob die dort nicht einen Weg gebaut haben."
"Das haben wir gleich. Mein Rechner ist ihr Rechner. Geben Sie die Adresse in Google ein." Sie tippte. "Und nun nach Maps und unten dann auf das Zeichen hier." Sie klickte auf 'Satelitt', es erschien eine Aufnahme von dem Viertel. "Das habe ich schon gesehen, aber nun. Wie soll ich das hier deuten?" fragte sie und fuhr mit der Maus über eine Stelle. "Ist das nun ein Weg oder eher ein Beet oder vielleicht ein Grab?"
"Grab ist gut" lachte er. "Suchen Sie mal in den Polizeiberichten".
Sie gab 'p' und 'o' ein und drückte die Eingabetaste. Bei ihrem Rechner wäre die Seite der Polizei gekommen, so dass sie nach etwaigen Berichten hätte suchen können. Bei ihm kam eine ganz andere Seite. Er schluckte, sie stutzte kurz und bestätigte dann die Altersangabe "Wir sind doch älter als 18".