Freitag, 14. Oktober 2016

Die Verabredung

"CU@U?" schrieb er mit flinken Fingern, grinste und wartete. Seine rechte Hand klopfte auf seinen Oberschenkel.
Eine Antwort kam nicht sofort. Bestimmt musste Jupp das Ding wieder suchen. Er schaute sich ein paar Bilder an. Was da wieder für ein Blödsinn gepostet wurde. Nach ein paar Minuten schrieb er noch einmal "?".
Er spielte ein wenig 2048, dann summte es und es kam eine unerwartete Antwort. Es war ein Smiley mit Verband. Wo hatte Jupp das nur her? Dann klingelte das Smartphone.
"Jou"
"Bin im Bett"
"Dann steh halt auf, ich muss bei Dir spielen. Meine Schwester hat den Compi geschrottet und wenn ich nichts mache, ist das mit dem Plan vorbei. Da haben wir doch soviel hineingesteckt. Und dann kannst Du Dir den Zaubertrank auch abschminken. Deswegen komm ich mal ..."
"Bin nicht da."
"Wie? Wo?"
"Bin Krankenhaus. Bein und Arm kaputt. Die doofe Tucke hat ihre Sachen auf der Treppe gelassen. Ich bin da voll rüber und krach bunn nach unten ..."
"Scheiße! Was soll ich nun machen?"
"Puh"
"Ist bei Euch jemand da? Ich kann ja dann auch alleine. Wenn.."
"Ja, hast Recht. Ich melde Dich mal an. Und dann geh halt vorbei. Und viel Glück."


"Na, Kleiner" Marina, die doofe Tucke, öffnete ihm.
"Willst Du spielen" hauchte sie und er bemühte sich nur seine Ohren rot werden zu lassen.
"Juppie hat nichts ..."
"Klar doch. Tritt ein, Du hast wohl eine Verabredung mit Jupps Compie", sie gab ihm den Eingang frei und lehnte sich an die Tür zum Wohnzimmer. Er zog seine Schuhe aus, hängte seine Jacke an den Haken und ging die Treppe zu Jupps Zimmer nach unten in das Kellergeschoss.
Kam sie ihm etwa hinterher? Als er sich vor dem Zimmer umschaute, grinste sie ihn an.
"Will doch auch mal sehen, was die Jungs so spielen. Muss doch wahnsinnig interessant sein."
Wenig später saß dort, wo sonst Jupp saß, die, ein Jahr ältere Schwester seines Kameraden. Der Compie fuhr hoch. Das Rollenspiel, in dem er, unter anderem auch, eine Elfe verkörperte, die um 14 Uhr 25 einen Hexer erschießen musste, wollte er der doofen Tucke nicht zeigen. Wenn sie schon zusehen sollte, dann wie geballert wird und möglichst viel Pixelblut spritzt.
"Das ist es auch. Hier das ist so etwas wie Doom, nur mit anderen im Netz. Wir sind da in Teams unterwegs und kämpfen uns eine Nachbarschaft frei. Ich bin bei den Roten und die anderen sind die Blauen."
"Bitte?"
"Schau: das sind die Waffen und da vorne sind die Jungs."
Im oberen Teil des Bildschirms war ein Hinterhof zu sehen. Aus den Fenstern blitzten manchmal Schüsse auf.
"Und was machst Du da nun?"
"Ich sehe zu, dass ich zu dem Eingang da vorne komme. Von dort kann ich die Granaten in den Ausguck werfen und dann dort hinein und ich kontrolliere den ganzen Bereich dort."
"Da ist aber doch niemand"
"Das weiß ich doch nicht. Nur wo meine Leute sind, weiß ich ungefähr." Er deutete auf den Chat.In dem Kasten schrieb er: "Ich greife den Ausguck an"
"Bin schon da" antwortete jemand.
"Das ist ja langweilig", meinte Marina. "Du machst ja gar nichts. Da ...", in dem Moment kam ein Stöhnen aus dem Lautsprecher. Sein Spieler wurde abgeschlachtet.
"Das ist nun das, was passiert, wenn man nichts macht. Die haben mich gesehen und einer hat sich angeschlichen, als ich Dir das erklärt habe. So ein Mist! Schau einfach zu, wie das geht."

Danach beachtete er sie gar nicht mehr. Seine Figur schlich sich in der neuen Runde tatsächlich auch in den Ausguck und bewachte den Eingangsbereich des Hofs. Erfreut blickte er sich um.
"Jetzt heißt es warten, ob einer von den Blauen kommt. Soll ich Dir das mal genauer erklären?", fragte er. Aber sie war schon gegangen. Hatte er gar nicht so richtig mitbekommen. Grinsend wechselte er zum Rollenspiel. Es war gerade noch rechtzeitig. Verabredet war, dass den Spieler mit dem Hexer herein zulegen. Mit diesem war ein Handel ausgemacht, der durch seine Heldin gestört werden sollte.

Kaum war das Spiel gestartet, da öffnete sich die Tür.
"Und? Nun ist es doch bald soweit", sagte Marina.
"Äh, Wie?"
"Der Hinterhalt. Jupp hat mir gesagt, dass das ganz, ganz wichtig sei, wenn Du ihm heute sein Dings da besorgt. Ich sollte Dich ja nicht stören, aber das muss ich mir doch einfach ansehen", kicherte sie.
"Du? Ja, nun. Schau einfach nur zu."
Schweigend ging das diesmal nicht.
"Das ist Deine Figur? Ihr habt auch Frauen? Aber ..."
"Ich muss mich nur mit Alasia hinter dem Eingang zur Gilde verstecken. Hoffentlich ...", auf dem Bildschirm war keine Figur zu sehen, die von einem Mitspieler geführt wurde. Es gelang ihm tatsächlich seine Heldin in einem Gebüsch so zu platzieren, dass die der Punkt über ihr, der einen Mitspieler markierte, nicht sofort zu sehen war.
"Cool, das sehen die anderen dann auch, wenn sie hier ankommen?"
"Genau! Und dann bin ich mit Waffen hier und die anderen sind ohne. He, he. Der Hexer wird von einem Anfänger geführt und der lernt nun die Wahrheit kennen. Wir spielen nämlich auch unfair. He, he", er war ganz aufgeregt.
"Noch passiert ja nichts. Wenn die Dich ..."
"Ruhig, nicht versauen!", er sah, wie eine Gruppe ankam.

Der Plan nahm seinen Lauf. Zwar war die Gegenseite viel stärker als erwartet und verfügte über eine Art Teleportationsmechanismus, aber zum Glück konnte den Zaubertrank gestohlen werden. Wenn Jupp demnächst wieder aktiv würde, könnte darauf aufgebaut werden!

Wenn Jupp neben ihm gesessen hätte, hätten sie einfach nur gelacht! So saß da ein Mädchen, das ihm einen Kuss auf die Wange gab!
"Denen hast Du es aber gezeigt! Super", sagte sie dazu. Wie ihre Augen blitzten! Waren sie wirklich so schön leicht grünlich? Oder war das doch eher Bernstein?
"Danke, äh", war alles was ihm so direkt einfiel. Er wischte sich über die Backe und seine Lippen zuckten unsicher.
"Sag bloß? Du bist doch schon in der zehnten, oder? Und ... Mädchen sind noch nicht so Dein Ding?", lächelte sie.