Samstag, 13. August 2016

Drei Freundinnen

"Hallo Wallace, schaust Du morgen bei uns vorbei? Wir machen da eine kleine Feier."
"Hallo Markus, wie geht es Dir denn so? Alles in Ordnung?" grinste es der runde, große Mann und hielt ihm die Hand hin.
"Danke, geht so. Muss ja. Und selber?" er griff zu und spürte den warmen, nicht zu kräftigen Händedruck, des immer freundlichen Kollegen aus Schottland.
"Danke der Nachfrage. Das Wetter soll ja morgen richtig sonnig werden. Obwohl es ja am Abend noch einen Schauer geben könnte. Aber dann kann man sich ja in das Wohnzimmer zurück ziehen. Für mich ist das hier ja fast so ein schöner Sommer, wie bei uns daheim. Obwohl es hier ja schon um acht Uhr dämmrig wird."
"Also wegen der Feier morgen nachmittag, so gegen 16 Uhr, kommst Du nun?"
"Aber sicher doch. Was ist der Anlass? Soll es etwas feierliches sein? Ich könnte mit Rock kommen?"
"Ganz informell mal nach dem Einzug in die neue Nachbarschaft, so zum Kennenlernen mit Nachbarn, Kindergartenfreundinnen und Kollegen."
"Also mit Kilt wäre das schon repräsentabel. Immerhin bin ich ja dann so etwas wie ein Vertreter eines fernen Landes. Soll ich einen Wanderer oder lieber ein, wie heißt das? Huhn mitnehmen?"
"Äh?"
"Walker, Johnnie? Famous Grouse?"
"Ach, das mit dem Rebhuhn. Der war doch auch bei deinem Einstand dabei."
"Ok, dann bis morgen. Ich bring auch Leslie mit. Ist doch ok?"
"Aber sicher doch. Wir freuen uns auf Euch!"
Wenig später traf Markus auf die kleine, indische Kollegin: "Hallo Vati, wie geht es?"
"Danke. Mir es geht gut." lächelte sie.
"Das ist schön. Hast Du morgen schon etwas vor?"
"vor haben? Was bedeutet das? 'vor haben'"
"Vor haben ist so Plan. Wenn Du morgen nicht verplant bist, freuen wir uns, wenn Du zu uns zu einer Feier in unserem Garten kommst. Wallace und Leslie kommen auch. Und eben unsere Nachbarn und Bekannte aus dem Kindergarten der Kinder. Es wäre doch schön, wenn Du vorbeischaust."
"Feier? Ach so fest. Ich mache morgen nichts. Da ich komme gerne zu eure Feier. Ich habe vor eure Feier zu besuchen! Richtig?"
"Das, ja das ist richtig so. Meine Frau sich ja freuen. Sie ist schon ganz gespannt auf Besuch aus Indien."
"Ich bringe dann auch Jamun und Halua mit. Die sind sehr umgänglich und lieb!"
"Aber natürlich, dann wird das noch indischer."

"Hallo Liebes, alles fertig für morgen?"
"Ja wir haben gerade noch genug Gedecke aufgetrieben. Hast Du deine Kollegen eingeladen?"
"Beide kommen, beide bringen jemanden mit. Vati bringt wohl zwei umgängliche Freundinnen mit."
"Bitte was? zwei? Das heißt ja, das dann ein Gedeck zu wenig ist." Maria war entsetzt.
"Na gut, dann ess ich mein Steak eben direkt mit Brot so schmeckt es sowieso am Besten."
"Und den Salat? Die Desserts? Willst Du die etwa auch direkt von der Schüssel? Nein, nein. Da müssen wir jetzt noch dazu kaufen. Wenn es etwas passendes überhaupt gibt. Heute geht ja nicht mehr."
"Was denn für Salat und Desserts? Ich hatte doch eigentlich mit Spanferkel und Bier geplant. Das schneiden wir dann herunter und legen es in die Brötchen. Bier wird aus der Flasche ..."
An der Stelle hörte ihm seine Frau schon gar nicht mehr zu. "Du spinnst ja. Das kannst Du mit deinen Kumpels so machen. Also ich trinke kein Bier aus der Flasche und die Edda auch nicht. Überhaupt sind Waltraud und ihr Mann Vegetarier, da fällt das mit dem Spanferkel überhaupt auch flach. Und einer deiner Kollegen kommt doch aus Indien, der ist dann auch entweder Vegetarier oder Moslem. Schweinefleisch ist da ..."
"Nein, nein. Vati isst Schnitzel, das ist ganz unproblematisch. Sie hat sich ..."
"Und wenn schon, das ist auch egal. Jedenfalls müssen wir doch auf alles vorbereitet sein. Und dann eben auch genug Wein und Saft und Wasser und Salat und Grillkäse und Baguette. Überhaupt muss das ganze dann auch hergerichtet werden. Ein wenig Tischschmuck ..."

Am nächsten Morgen fand sich Markus mit einer recht langen Einkaufsliste im Supermarkt wieder. Hier gab es auch eine Papptellerabteilung, in der es neben Plastikbesteck auch Einwegweingläser gab. Diese sahen auf den ersten Blick wie richtige Weingläser mit Stiel und Kelch aus.
"Liebes, schau mal. Das ist doch perfekt. Für 20€ sparen wir uns die ganze Arbeit mit Spülen und so weiter."
Seine Maria zog die Augenbrauen zusammen und schüttelte zunächst den Kopf. Aber dann nickte sie resigniert.

Am Nachmittag war dann im Garten schon angerichtet. Markus befeuerte schon einmal den Grill. Als die Klingel tönte, lief Maria.
"Guten Tag?" Es war eine indische Frau mit einer großen Tasche vor der Tür.
"Ich bin Parvati. Markus?"
"Ja, ja. Du? Ich darf doch Du sagen? Maria!" Die Inderin nickte und Maria fuhr fort: "Markus redet immer von Vati, da habe ich gedacht Du wärst ein Mann. Wo sind deine Freundinnen?"
"Freundinnen?"
"Da waren doch zwei umgängliche, liebe? Oder? Du wolltest sie doch mitbringen. Ist etwas dazwischen gekommen?"
"Also, ich bringe mit." Die indische Frau stellte ihre Tasche auf den Boden der Diele und öffnete diese. Mit ausgestreckten Zeigefinger deutete sie zunächst auf die eine, dann auf die andere Tupperdose "Jamun und Halua. Lieb und umgänglich. Alle mögen sie."
Maria lachte. "Markus hat gemeint, das wären ... aber Dein Deutsch muss ja noch werden. Umgänglich sind Menschen. Und das ist bestimmt bekömmlich."

Wenig später trafen die anderen Gäste ein und der Garten füllte sich. Zwar hätte Maria eher förmlich gedeckte Tische vorgezogen, aber mit dem Einweggeschirr funktionierte es auch. Sogar der Wein sah in den billigen Plastikkelchen irgendwie edel aus. Die Stimmung war gut, aber immer noch waren zwei Stühle am Tisch waren nicht besetzt. Gespannt wartete Maria auf den Schotten mit Freundin. Trotzdem gewann Markus, als die Klingel tönte, war er einfach schneller.

Es war Wallace im Rock. Markus war überrascht, wie gut ihm das traditionelle Gewand. stand. In der einen Hand hielt Wallace eine Flasche Whisky, in der anderen Hand war eine Hundeleine. An dieser war ein kleiner schwarzer Terrier.
"Darf ich vorstellen? Leslie, das ist Markus, Markus, das ist Leslie".