Mittwoch, 13. Mai 2015

Kawumm

Carsten prüfte noch einmal den Sitz der Krawatte. Es gibt nichts schlimmeres als ein verpatzten Deal und etwas am Äusseren wäre der Grund. Wenn es nicht klappt, dann deswegen, weil es nicht klappt, aber nicht wegen etwas, das einfach kontrolliert werden kann. Das war der Grundsatz ihres Vertriebs. Heute galt es den ersten Deal bei der Fachabteilung einer Bank fest zu machen. Diese hatten schon zugestimmt, ihnen ihre Werkzeugkette anzuvertrauen, es sollte nun noch der Entwicklungsleiter zustimmen. Diese Idioten! Wenn erst einmal der Matze dort ist, bekommen die den nicht mehr weg. Und wo einer ist, folgen dann noch weitere. Aber wenn sie wollen, wollen sie eben. Wenn dieser Entwicklungsleiter etwas drauf hat, sollte ihm das auffallen. Dann nicht grantig werden, sondern den Kontakt warmhalten, schön schleimen und vielleicht ergibt sich später etwas. Am Nachmittag würde er noch die Frischlinge bei der Versicherung besuchen und sich umhören, ob dort noch mehr Fachpersonal abgeladen werden kann. Bevor es am nächsten Morgen zurück zu Frau und Kind geht, würde er es am Abend vielleicht ein wenig krachen lassen. Ein dreckiges Grinsen schlich sich auf sein Gesicht. Er verabschiedete sich von seinem Spiegelbild mit einer geballten Faust, aus der Daumen nach oben zeigte und einem Nicken.
Bei der Bank wartete er auf seinen Kontakt und studierte die Lobby. An den Wänden waren Plakate, die den "besten Arbeitgeber des Jahres" würdigten. Dass die hier überhaupt externe Kräfte mieten wollen, war schon eine Überraschung. Vielleicht ist irgendetwas im Busch. Wenn sich hier einer festsetzen kann, dann der Matze! Sein Kontakt, ein grauer Programmierveteran, kam dann auch schon. Sie schüttelten die Hände und dann ging es zum Chef. Dieser war ein großer, jugendlich wirkender Mann, der ihm lachend entgegen kam. Zur Begrüssung deutete er einen Fistbump an. Na, das kann er haben! Carstens Faust klopfte gegen die Cheffaust. Vielleicht will er einen Hauch von Jugend und Innovation verbreiten. Aber der Chef setzte die Begrüssung fort, als nächstes hielt er ihm die Faust mit dem Daumen nach oben hin. Dann sind wir eben wieder im Kindergarten, warum nicht? Carsten griff den Daumen, zog ihn nach oben und bot dann seinerseits den Daumen an. Der Chef griff seinen Daumen genauso und zog ihn nach oben, dann holten beide weit aus und mit "Klatsch" schlugen die Hände zusammen. Ohne zu zögern, warfen die beiden ihre Brustkörbe zusammen. Verblüfft schauten sie sich an. "Borsigplatz" sagte der Chef, "Mühlheim" sagte Carsten und dann beide "Bei der Halfpipe". Es stellte sich heraus, dass die beiden in der gleichen Skatergang aktiv waren. Allerdings war der Chef schon im Studium, als Carsten dort anfing. So hatten sie nur den Gruß gemeinsam. Im Büro des Chefs würdigte Carsten das Regal auf dem Aktenschrank hinter dem Schreibtisch. Es waren die alten, abgenutzten Skateboards, die als Regalböden Verwendung fanden. Welch eine schöne Idee! So etwas würde er mit seinen Boards vielleicht auch noch machen. Zum Wegwerfen waren die viel zu schade.

Das folgende Vertriebsgespräch wurde zügig abgehandelt. Die Fachabteilung wollte es so und dagegen sprach eigentlich nur das Beharren auf dem Althergebrachten. Carsten pries Matze als zuverlässigen Erneuerer, der mit seiner Erfahrung genau der Richtige für diesen Umbruch wäre. Der Chef stimmte dem Deal zu, wollte aber noch ein wenig mehr in Erinnerungen schwelgen und lud Carsten ein im Kasino zu Mittag zu essen. "Das ist nicht etwa die normale Kantine, sonder etwas das nur genutzt wird, wenn Besuch da ist. Wir sollten uns das nicht entgehen lassen." Erfreut stimmte Carsten zu. Wie glatt das geht! Im Kasino liefen weiß gekleidete Kellner umher und brachten der Reihe nach das gewählte Menü. Das Gespräch wurde zunehmend persönlicher. Nach der Suppe, es gab eine köstliche Brokkolicremesuppe, durfte Carsten den Chef Marcel nennen. Nach der Hauptspeise, Lammlachse mit knusprig angebratenen Kartöffelchen, wurde erörtert, dass die Entscheidung ja ziemlich dämlich sei, aber da könne doch etwas zu beiderseitigem Nutzen draus werden. Nach dem Dessert, es gab Schokoladenparfait, sprach ihn Marcel an auf seinen fetten Ehering. Ob er spiessig geworden wäre, wo er doch Skater war. Carsten betonte, einmal Skater immer Skater und auf dem Brett könnte er immer noch einen Olli springen. Das hätte er nicht aufgegeben. Aber das anarchistische Feiern und das Kiffen? Feiern täte er schon noch, nur das Kiffen, das hätte er gelassen. Auf den fragenden, fast schon kritischen Blick Marcels erwähnte er nicht, dass Kiffen bekanntlich doof macht. Stattdessen bedauerte er den Verlust des gemeinschaftlichen Kiffens unter Freunden. Im Studium hatte er einfach den Kontakt zur Szene verloren und später nicht mehr so richtig gewusst, mit wem zu kiffen wäre. Marcel schlug vor: "Weißt Du was, heute Abend rauchen wir Kawumm, was hältst Du davon?" Carsten wollte es ja sowieso krachen lassen und stimmte mit ungespielter Begeisterung zu.

Marcel empfing Carsten in seinem Bungalow auf der Sonnenhalde 47. Zunächst zeigte er ihm stolz seine Residenz, dann nahmen die beiden in der Bibliothek Platz. Dort sollte Carsten die Tüte bauen, weil zum einen sei von jeder Sorte genug da und nach langer Abstinenz wer weiß, was denn noch vertragen wird. Und so nahm Carsten nach Jahrzehnten wieder das breite Blättchen, faltete es auseinander und häufelte ein wenig Gras darauf. Er stutzte, früher war das immer Tabak und dann der darauf gebröselt. Tabak rauchen ginge gar nicht meinte Marcel und außerdem "Das soll schon dröhnen, oder?". Der Dope war der bekannte harzig grüne mit den helleren Aussenseiten. Carsten roch daran und schloss die Augen.
"Riecht wie früher"
"Knallt viel besser" grinsend beobachtete Marcel, wie Carsten die Tüte fertig rollte. "Und nun kawumm, ich rauche an". Er nahm Carsten die Tüte ab, zündete sie an, paffte einmal kurz und steckte diese dann in das kleine Loch am unteren Ende eines dicken Bambusrohrs. Dieses Rohr hielt sich dann an den Mund. Das andere Ende des Rohrs verschloss er mit einer Hand. Er atmete ein wenig ein, die Tüte glühte kurz auf, das Rohr füllte sich mit dem Rauch. Dann "kawumm" öffnete er das Ende des Rohrs und der Rauch drang bis in die unteren Lungenspitzen vor. Er reichte Carsten das Rohr. Es war wie damals! Mit dem Kratzen am unteren Ende der Bronchien schien es Carsten als würde seine Schädeldecke ein wenig angehoben. Er schwebte höher und höher. Sobald der Flug nachliess wurde eine neue Tüte gebaut. Mit Vertrieb, Fachsimpeln oder auch strategisch ausrichten war es an dem Abend nichts mehr. Besser er lachte sich kaputt. Nach der vierten, oder war es die fünfte Tüte? öffnete sich die Tür und eine kleine, eher junge Frau kam hinein. Carsten kam sie unwirklich kugelig vor, das Gesicht rund, die Brüste wie Bowlingkugeln und ihr Arsch wie ein Riesenkürbis. Er grinste. Sie sagte etwas vom Stechen und umarmte Marcel halbseitig. Nur ihr linker Arm war um seinen Hals und ihre rechte Seite deutete zu Carsten, so dass er ihr Profil würdigen konnte. Herrlich! Dann bemerkte er ihre rechte Hand im Schritt von Marcel und fragte sich, ob er gehen oder bleiben sollte. Er stand auf, da kam sie zu ihm und fragte ob er nicht mitmachen wolle. Er stimmte begeistert zu. Sie legte beide Arme um seinen Hals und steckte ihre Zunge in seinen Mund. Er genoss ihre runden Brüste und legte seine Hände auf ihren runden Arsch. So muss das! Er fühlte wie sein Arsch gestreichelt wurde, obwohl ihre Arme immer noch um seinen Hals geschlungen waren.