Freitag, 8. Mai 2015

Geil

Wie jeden Montag im Semester nahmen Cosima und Max denselben Zug zur Uni. Beide besuchten im Technikum das Messtechnikpraktikum. Es war das ungeliebte Pflichtseminar für Ingenieursstudenten. Max sorgte sich: "Also das mit der p-Verteilung der Messwerte, das weiß ich gar nicht, wie das geht"
Sie zog die Augenbrauen hoch und wunderte sich: "Das hatten wir im Leistungskurs schon gehabt." Auf seinen kritischen Blick fügte sie an: "München, Bayern. Da lernt man so etwas. Habt ihr so etwas nicht?".
"Ja, eigentlich schon, aber ich bin Mathe immer aus dem Weg gegangen"
"Warum machst Du dann Ingenieur?" sie schaute den Muskel bepackten Jungen an.
"Ich will eigentlich ja Journalist werden und so erklären, wie die Technik funktioniert und welche Grenzen und Risiken es gibt. Und das mit dem Rechnen muss ich halt lernen. Bisher bin ich durch die Klausuren auch gut durchgekommen. Ich mache das mit auswendig lernen. Aber nun das Protokoll mit den Auswertungen, da müssen ja die Berechnungen schon richtig sein."
"Es gibt doch schon Punkte für die richtige Formatierung und das richtige Datum." meinte sie. Mit Blick auf seinen Aufzug fügte sie noch an: "Müsstest Du doch eigentlich bestimmt hinbekommen". Dann schüttelte sie den Kopf, "Da muss ich wieder aufpassen, weil? Das ist so langweilig, immer den .."
"Wir ergänzen uns dann doch prima. Ich formatiere und schreibe, Du rechnest? Wir können doch zusammen abgeben." schlug Max vor. Sie musterte ihn von oben bis unten, dann nickte sie mit dem Kopf und stimmte mit "Wir können es ja mal probieren" zu.
Im Waggon war in der Mitte noch eine Reihe frei, sie gingen zügig hin. Zwei Reihen vorher bemerkte Cosima eine lächelnde Frau. Nachdem Max sich gesetzt hat, stutzte sie. "Warte mal, da ist vielleicht eine alte Freundin". Sie ging zwei Reihen zurück. "Eleni?"
"Cosima, tatsächlich!"
"Was machst Du hier? Bist Du auch in der Uni?"
"Soziologie, ich mach den Master hier weiter." Die beiden plauderten ein wenig, bis das Gespräch auf "das Dorf" kam.
"Warst Du mal wieder in der Heimat?" fragte Eleni.
"Über Ostern wie jedes Jahr. Es wird immer schlimmer. Die beiden sind nun ganz alleine im Haus und Garten. Und träumen Immer noch von einer Tochter, die das Haus übernimmt. Du glaubst gar nicht wie sich das anfühlt."
"Du Ärmste, bei meinen ist das nicht anders. Hat sich was getan?"
"Nichts weiter, bis ... Vater hat jetzt ein Klo mit Aussicht gebaut!" grinste Cosima.
"Heh?"
"Du kennst doch noch das Zimmer neben der Garage, wo wir immer die Skisachen abgestellt haben. Da wollte er eine Dusche einbauen. So eine ganz enge. Eigentlich passt die gar nicht so richtig rein. Und Mutter hat gesagt, das wird nichts. Aber er, Du kennt ihn ja, wenn er sich was in den Kopf setzt, dann muss das auch klappen. Also kam in die Ecke eine Dusche und damit alle wissen, dass er richtig geschätzt hat, hat er dann eine Toilette eingebaut. Das Waschbecken wurde versetzt und unter dem Fenster hat er nun das Klo. Total verrückt." Sie schüttelte den Kopf
"Und die Aussicht ist nun ... " Eleni fing an zu Lachen.
"Genau, wenn er aufsteht, sieht er aus dem Fenster zu Nachbars. Welch ein Anblick! Aber er hat gewonnen und sich durchgesetzt!"

"Dein Vater ist eben typischer Mann! Es gibt ja richtig Unterschiede zwischen Männer und Frauen. Es liegt wohl hauptsächlich am gesellschaftlichen Druck und an der Erziehung. Wir studieren da so Rollenmuster und Skripte die im Verhalten der Menschen untereinander abgespielt werden." Eleni bemerkte Cosimas Desinteresse und schloss mit "Das ist total interessant, finde ich jedenfalls"
"Also ich fall da ja dann wohl aus dem Rahmen und das ist doch so alles kein Problem. Ich bin nur unter Männern."
"Das ist eben dein Vater. Der dich wie einen Jungen behandelt. Aber so Männer, sind ja so etwas von hormongetrieben. Wenn die eine Beute sehen, dann geht das ganze Blut vom Gehirn woanders hin."
"Das weiß ich doch, deswegen geh ich auch im züchtigen Outfit ins Studium. Ich will doch niemanden durch einander bringen."
"Warum nicht? Es ist doch dein Recht dich hübsch zu zeigen. Du hast so schöne Haare, die brauchst Du doch nicht in einem Knoten verstecken. Dein Recht ist es als Frau Ernst genommen zu werden. Zeig allen, dass Du ein Mädchen bist und trotzdem nicht als Lustobjekt behandelt werden willst. Es nützt doch nichts, wenn Du dich als Ingenierin wie ein Mann geben musst, damit Du nicht als Lustobjekt daher kommst und nicht mehr für voll genommen wirst"
Cosima dachte nach und "Ja, eigentlich hast Du recht. Ich sollte wohl die Haare mal offen tragen. Heute messen wir nicht in der Chemie, sondern lesen nur Ergebnisse ab und werten die dann aus." Sie zog die Haarnadeln aus ihrem Dutt. "Hast Du eine Bürste dabei"
"Klar, hier"
Sie bürstete sich die Haare durch und betrachtete sich im Fenster. "Du hast immer noch die tollen Naturlocken, ich wäre so froh, wenn ich solche Haare hätte." kommentierte Eleni.
"Oh ich muss nun raus" Eleni stand auf, gab Cosima noch einen Küsschen und meinte "Nicht vergessen, die Bluse aufknöpfen und den Anhänger mit dem Rubin, dann sabbern sie alle"

Nachdem Eleni gegangen war, knöpfte Cosima ihre Bluse ein wenig weiter auf und bemerkte, dass ihre Brustwarzen sich verhärteten. Sie genoss das Gefühl, stand auf und ging zu Max. Er schaute sie erstaunt an und fragte: "Hui, so verändert"
"Und? Macht Dich das an? Kannst nicht mehr klar denken?" ihre Mundwinkel warteten auf seine Antwort.
"Nee, ist ... geht schon ..."
"Na, was ist los?"
"Du siehst so bl.. Heh, " er grinste.
"Wie bitte?" zwischen ihren Augen bildete sich eine kleine Falte, aber ihre Mundwinkel zeigten immer noch freundlich nach oben.
"Ach, Mann. Es ist ... das wollte ich ja nicht ... aber, ist geil!" war seine erhellende Antwort.
Sie lachte nur: "Ist nun das Gehirn leer?"
"Hey nee. Es ist nur, doch so simpel ist das nicht. Überhaupt nich. Es ist nur so, dass ... " Er holte Luft.
"Ich höre"
"Du weisst was ein Nerd ist? Der hat fettige Haare, Pickel und eine Hornbrille. Mit so jemanden müsste ich eigentlich zusammen arbeiten. Das war so das, was ich mir vorgestellt habe. Dass Du dich mit Mathe. Du kannst das doch bestimmt? Aber passt schon. Ich glaub Dir das ja. Und nun hast du, bist Du. Das ist doch einfach geil, eine Blondine! Du hast doch wirklich in Mathe was drauf?"