Freitag, 12. September 2014

Creme Bruleé

Schon am ersten Tag der Flitterwochen wurde seine Vorstellung von dieser Ehe gründlich geändert. Der Schwiegervater hatte auf diesem Hotel bestanden. Dort, an der Südküste Zypern in der Nähe von Aphrodites Felsen, hatte er in seinen Flitterwochen seine Tochter gezeugt. So fänge man eine dauerhaft glückliche Ehe an. Außerdem finanzierten die Schwiegereltern die Flitterwochen und Jens war es eigentlich egal wohin die Reise ginge.



Sie kamen per Limousine im Hotel an, so wie es sich für die Erbin eines kleinen, aber feinen mittelständisches Unternehmen gehört. Das Hotel lag in einer Bucht etwas abseits vom später ausgebauten Urlaubsort. Früher seien dort nur Fischer gewesen, erklärte Sylvia. Vom Zimmer gab es eine Aussicht über die Poollandschaft auf den Strand. Links und rechts waren weiter Bungalows in der Parkanlage versteckt. Er konnte sich von der Aussicht gar nicht satt sehen, aber Sylvia zog ihn zum Badezimmer. Nach der Anreise mussten doch zunächst geduscht werden, so durchgeschwitzt wie sie waren. Es war ein großes, luxuriöses Badezimmer, so dass Platz genug für zwei unter der Dusche war. In den Spiegeln konnten sie sich mit und ohne Schaum betrachten. Es im Stehen unter Dusche zu probieren, wäre was. Er umarmte sie und versuchte sie hochzuheben, aber sie rubbelte ihn mit dem Badetuch trocken, führte ihn zum Bett und dann ritt sie ihn. So gefiel es ihr am Besten. Er hatte dabei immer die Hände hinter dem Kopf verschränkt und genoss ihren Anblick. Das war nun seine Frau! Sie wollte ja die förmliche Heirat. Egal! Mit ihr wollte er solange es eben hält zusammenbleiben und Augenblicke wie diese möglichst oft genießen. Jedes Mal, wenn sie rot wurde, schwitzte, die Augen weit aufriss und dabei grunzte, stieg seine Zufriedenheit. Schließlich erlaubte sie ihm sie zu füllen, was er dann auch tat. Danach war duschen und sich fertig machen für die Terrasse angesagt. Bei Sonnenuntergang muß der Garten schön sein.

Hand in Hand schritten sie die Treppe zur Terrasse herunter. Unten begrüsste sie ein Kellner, der ihnen einen kleinen Tisch in der Mitte vorschlug. Er händigte beiden eine Speisekarte aus und fragte, ob sie schon etwas zu trinken wünschen. Sylvia bestand auf einen typischen Aperitif. Laut Auskunft des Kellner wäre dies ein "Brandy Sour", der dann auch von beiden bestellt wurde. Während Sylvia die Karte studierte und kommentierte, überflog Jens diese nur kurz. Er wollte sich Sylvias Wahl anschließen und machte nur mehr oder weniger sinnvolle Bemerkungen zu ihren Anmerkungen. Mehr als die Speisen interessierte ihn der Ausblick auf den wirklich ausgeprochen schönen Garten mit seinen prächtigen, fasst schon kitschigen Palmen. Als der Kellner mit dem Aperitif kam, legte sie die Karte auf den Tisch und der Kellner fragte Jens nach den Wünschen. Dieser atmete laut aus und räusperte sich, als Sylvia einfach eine gemeinsame Vorspeise in Form von gegrillten Halloumies bestellte, gefolgt von einen Bauernsalat für sie und für Jens gefüllte Kalamares. Da hatte er aber Glück gehabt, weil Salat ja eigentlich nicht sein Ding gewesen wäre. Wie schön es doch mit einer Frau ist, die weiß was sie will! Die Frage nach dem Wein beantwortete Sylvia gekonnt mit einer Gegenfrage nach einem typischen, zypriotischen Wein, den der Kellner empfehlen könne. Es wurde ein Weißwein aus einem nahe gelegenen Kloster.

Das Paar genoss ihr Zusammensein auf der Terrasse. Wie Jens feststellte, blieb ihnen auch gar nichts anderes übrig, weil sie ja mit einigem Abstand das jüngste Paar in der Runde waren. Spannende Abende in der Disko oder in der Ouzobar waren nicht zu erwarten. Es war eben genau der richtige Ort ihre Hochzeit zu feiern. Als die Hauptspeisen serviert wurden, tollten in dem Garten zwei kleinere Kinder mit ihrem Vater umher. Sylvia schaute diesen zu und, als Jens gerade seinen gefüllten Kalamer mit dem Messer entschieden in zwei Hälften zerteilt hatte, sagte sie: "Und vielleicht will ich ja auch mal Kinder haben. Oder etwa nicht?". Er schaute von der Schafskäsefüllung auf und wusste nicht so richtig, was er sagen sollte. Da lachte Sylvia und meinte: "Das könnten wir doch machen? Also ich würde schon wollen! Wenn's passt" bekräftigte sie. Kalamar mit Schafskäse schmeckte ihm wirklich ausgezeichnet! Er nickte mit dem Kopf, zu den Kindern zuckte er mit den Achseln. Darüber hatte er noch gar nie nachgedacht. Aber ein unverständlicher Paragraph im Ehevertrag bezog darauf. Aber wenn sie denn wollte und es ihr denn passte, wäre das schon in Ordnung. Er blickte sie an und nickte bekräftigend. Sylvias Kommentar dazu war "Aber dann darfst Du nicht so ein Mitmacher sein, der Erwin und der Peter hauen uns sonst aus dem Vorstand!" Auf seinen verdutzten Blick erklärte sie: "Ja ich kann doch mindesten sechs Monate nicht im Vorstand arbeiten. Und wenn Du mich nicht vertrittst, bin ich da raus und dann lassen mich meine Brüder nicht mehr dazwischen". Hier grinste er verschämt und Sylvia verstand, dass das ganze wohl ein bisschen plötzlich gekommen ist. Sie streichelte seine Hand, prostete ihm zu und nach einem Schluck küssten sie sich.

Den Rest der Hauptspeise dachte er immer mal wieder darüber nach, wie er zu einem Macher werden könnte. Dann wurde sein Gesicht ernster, aber in diesen Momenten heiterte ihn Sylvia immer mit etwas auf. Sie wies darauf hin, dass das mit dem Kind noch Zeit hätte und sie ja dafür zunächst noch alles mögliche vorher gemacht haben müssten. Mit Kind wären sie ja in jedem Fall eingeschränkt. Seine Stimmung wurde zum Ende der Hauptspeise auch wieder ausgelassener.

Als der Kellner die Teller abräumte und danach die Dessertkarte reichen wollte, streckte Sylvia ihre Hand nach dieser aus. Bevor sie sie aber in die Hand bekam, drückte Jens ihre Hand sanft auf den Tisch. Der Kellner nahm die Karte wieder zurück und schaute Jens an. "Wir nehmen zwei creme bruleé und zwei Espressi" hörte sie Jens mit fester Stimme bestellen. Sie war so erstaunt, dass sie zunächst gar nichts sagte. Der Kellner schaute sie auch nicht fragend an, sondern nahm die Bestellung entgegen und verschwand.

In der folgenden Nacht brachte Jens sie mit anderen Stellungen zu mehrfachen Höhepunkten, während sie an den Kommantar ihrer Mutter dachte, als sie ihr von Jens erzählt hatte. "Starke Männer werden von starken Frauen gemacht!". Scheint immer noch zu klappen.